Sander Musikerin erhält 1. Preis
beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“

 

Die Sander Musikerin Eva Steinmetz nahm zusammen mit ihren Freundinnen Laura Jensen (Schloß Neuhaus) und Julia Timmermann (Paderborn) als Blockflöten-Trio in der Sparte „Neue Musik“ über Pfingsten am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Erlangen teil. Die monatelange intensive Probenarbeit der drei jungen Damen hatte sich gelohnt: Die 14-köpfige Bundesjury (darunter viele Professorinnen und Professoren sowie anerkannte Künstler aus dem Bereich der neuen Musik) vergab für ihre Darbietung des Werkes „Laboratorium VI“ des Paderborner Komponisten Jörg Partzsch einen ersten Preis. Dies entspricht dem Prädikat „mit hervorragendem Erfolg teilgenommen“. Darüberhinaus wurde den drei Musikerinnen die Ehre zuteil, als einige der wenigen auserwählten Preisträger am Abschlußkonzert des Bundeswettbewerbs im Kongreßzentrum in Erlangen auftreten zu dürfen, wo sie vor über 600 fachkundigen Zuhörern ihr musikalisches Können erneut unter Beweis stellen konnten. Dieses Konzert wurde vom Bayerischen Rundfunk für eine spätere Ausstrahlung aufgenommen.

 

 

Die Auswahl

Schon im Herbst des letzten Jahres beginnen die Vorbereitungen für die Teilnahme am „Jugend musiziert“ Wettbewerb. Zusammen mit ihrem Blockflötenlehrer, dem Paderborner Blockflötisten, Fagottisten und Komponisten Jörg Partzsch, suchen die drei Blockflöten-Damen ein geeignetes Werk aus. Sie entscheiden sich für das Werk „Laboratorium VI“ von Jörg Partzsch selbst. In diesem Stück agieren die Spielerinnen in einer merkwürdig absurden Szenerie. Dabei entfalten sie einen ganzen Kosmos von Gedanken, Gefühlen, Klangfarben und Aktionen.

 

 

Die Vorbereitungen

Die Probenarbeiten beginnen als Einzelproben. Jede der Spielerinnen erarbeitet zunächst „ihre“ eigene Stimme. Im zweiten Schritt beginnen dann die Ensemble-Proben. Da neue Musik oft auch Elemente von Performance und Schauspielerei enthält, sind neben den musikalischen Vorbereitungen auch die Choreographie des Auftritts sowie die schauspielerischen Feinheiten der Vorstellung zu erarbeiten und zu proben. Die Choreographie des Stückes erfordert Bewegungen der Spielerinnen über den gesamten Bühnenraum hinweg. Ein Ablesen der Noten von einem Notenständer ist daher nicht möglich. Also heißt es: Noten auswendig lernen. Über Wochen und Monate hinweg geht dieser Prozeß, bis die Noten für eine 25-minütige Aufführung fest im Kopf „gespeichert“ sind. Für die widerspenstigsten Stellen der Partitur, die man sich partout nicht so einfach merken kann, muß man dann schon mal tief in die Trickkiste greifen. Ein Notenausschnitt, der am Badezimmerspiegel festgeklebt ist und den man beim morgendlichen Zähneputzen mehrmals vor sich hinsummt, kann da schon Wunder wirken.

 

Neue Musik bedeutet immer auch Experimente. In diesem Sinne haben die Spielerinnen neben den verschiedenen eingesetzten Blockflöten (Sopranino-, Sopran-, Alt-, Tenor- und Baßblockflöten) auch zusätzlich ein selbstgebautes Instrument eingesetzt: zwei Abflußrohre von einem Meter Länge zusammengesteckt, das Ganze - damit's nicht so langweilig aussieht - mit einer Grundfarbe übertüncht und mit großen chinesischen Schriftzeichen verziert. Jetzt noch den Kopf einer Baßblockflöte draufgesetzt und fertig war ein Instrument, das im Aussehen einem „chinesischen Alphorn“ und im Klang einem Didgeridoo der australischen Ureinwohner ähnelt.

 

Da das absurde Musiktheaterstück auch ein besonderes Outfit erfordert, sind die Spielerinnen froh, daß sie über familiäre Beziehungen einen Zugriff auf den Fundus der Paderborner Kammerspiele hatten. Die dort ausgeliehenen dunklen Nadelstreifenanzüge nebst passenden Hüten geben dem Auftritt noch den letzten Pfiff.

 

 

Die Generalprobe

Am Samstag, dem 2. März 2002, ist es soweit. 18 Schülerinnen und Schüler der Städtischen Musikschule Paderborn sind in fünf Ensembles angetreten, um das Ergebnis ihrer Probenarbeit vorzuführen. Die Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums Schloß Neuhaus ist recht gut besucht, vor allem von Jugendlichen.

 

Jörg Partzsch, der die Probenleitung für alle fünf Ensembles durchgeführt hatte und der gleich vier der fünf Wettbewerbsstücke selbst geschaffen hatte, äußert sich sehr zufrieden über die Generalprobe: „Neue Musik ist ungewöhnlich, spannend und bietet aufregende, inspirierende Momente, ohne sich platter Klischees zu bedienen. Dies haben die Schülerinnen und Schüler in der Vorbereitungsphase dankbar aufgegriffen und interpretieren diese neuen Klangwelten mit jugendlicher Kraft und hohem Engagement.“

 

Der Landeswettbewerb

Aufgrund der außergewöhnlichen Anforderungen in der Sparte „Neue Musik“ beginnt der Wettbewerb „Jugend musiziert“ in dieser Kategorie nicht auf Regionalebene, sondern gleich auf Landesebene. Etwa 1000 Kinder und Jugendlichen stellen sich am zweiten März-Wochenende beim Landeswettbewerb Nordrhein-Westfalen in Münster dem gestrengen Urteil der Juroren.

 

Die Paderborner „Neuen Musiker“ schneiden dabei überragend ab. Alle Paderborner Ensembles erreichen mehr als zwanzig Punkte von 25 möglichen Punkten in der Bewertung. Zwei Ensembles erhalten wegen ihrer besonderen Leistungen zudem die Berechtigung, am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ teilzunehmen - eines davon ist das Blockflötentrio Eva, Julia und Laura.

 

Der Berichterstatterin des „Münsterischen Anzeigers“ gefiel die Performance des Trios so gut, daß sie einen Großteil ihres Berichts den Dreien widmete.

 

 

Der Bundeswettbewerb

Der Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ findet über Pfingsten 2002 im Städte-Dreieck Nürnberg-Erlangen-Fürth statt. Bereits am Samstag reisen die drei Blockflötistinnen an. Am Sonntag treffen sie sich mit ihrem Lehrer, um in einer abschließenden Probe noch den letzten Feinschliff durchzuführen. Um 16 Uhr haben sie Gelegenheit zu einem kurzen Soundcheck im Aufführungsraum, um 17 Uhr wird ihnen ein Einspielraum zugewiesen und um 18:30 Uhr schlägt dann die „Stunde der Wahrheit“. Vierzehn hochkarätige Juroren hören und sehen den Auftritt des Blockflöten-Trios.

 

Die Spielerinnen sind nach dem Auftritt sehr zufrieden mit sich. Jörg Partzsch äußert sich überaus zufrieden: „Ich kann mir nicht vorstellen, daß Profis dieses Werk wesentlich besser aufführen könnten.“

 

Tja, was wird die Jury sagen? Die Bekanntgabe der Ergebnisse ist erst für den Donnerstag vorgesehen. Eine lange Zeit des Wartens beginnt ...

 

Eva, Julia und Laura genießen in den beiden folgenden Tagen noch die musikalischen (andere Wettbewerbsbeiträge), kulturellen (Museen) und auch kulinarischen (Nürnberger Würstchen) Vorzüge ihrer Umgebung. Am Dienstagmittag wird dann die Heimreise angetreten, schließlich beginnt am Mittwoch wieder die Schule.

 

 

Das Ergebnis

Laura wird am Mittwochnachmittag von einer Organisatorin des Bundeswettbewerbs telefonisch informiert, daß die Bundesjury das Blockflöten-Trio darum bittet, am Donnerstagnachmittag beim Abschlußkonzert des Bundeswettbewerbs im Kongreßzentrum in Erlangen aufzutreten. Dies ist ein erster Hinweis auf ein zu erwartendes gutes Ergebnis.

 

So geht’s also am frühen Donnerstagmorgen wieder Richtung Erlangen. Dort angekommen ergibt sich die nicht eingeplante Möglichkeit zu einem kurzen Bewertungsgespräch mit den Juroren. Die Aufführung des Trios habe sie sehr überzeugt, sie loben einhellig die Einheit zwischen der Musik und der Choreographie des Auftritts. Das Werk selbst und dessen Darbietung haben sie als sehr spannend empfunden. Die Blockflöten-Fachfrau in der Jury äußert sich sehr positiv: „Blockflötentechnisch habt Ihr alles geboten, was in der Neuen Musik geboten werden kann.“ Besonders beeindruckt war sie von der zeitweise eingesetzten speziellen Atemtechnik (Zirkuläratmung) der Blockflötenspielerinnen: „Dies wirkt unheimlich gut.“

 

Die Juroren plaudern viel mit den Dreien - nur das Endergebnis verraten sie noch nicht. Aber die Aussagen der Jury-Mitglieder lassen nun ein sehr gutes Ergebnis erwarten.

 

15:30 Uhr: Hans-Peter Pairott, der Geschäftsführer von „Jugend musiziert“, liest die Ergebnisse vor: „Laura Jensen, Eva Steinmetz und Julia Timmermann haben mit hervorragendem Erfolg am Bundeswettbewerb teilgenommen. Ihnen wird ein erster Preis zuerkannt.“

 

Die drei jungen Damen sind überglücklich. Sie ernten nun den Lohn monatelanger harter Probenarbeit. Mit ihnen freuen sich die mitgereisten Eltern der Spielerinnen und auch die eigens angereisten Eltern des Komponisten und Lehrers. Der in Paderborn verbliebene Jörg Partzsch wird flugs telefonisch über das tolle Ergebnis informiert.

 

Um 16:00 Uhr beginnt das Abschlußkonzert. Eva, Julia und Laura nutzen die Chance, um den über 600 fachkundigen Zuhörern ihr musikalisches Können unter Beweis zu stellen. Der aufbrausende Beifall und die überreichten Rosen sind ihr verdienter Lohn.

 

Gegen 19 Uhr tritt das Trio die Heimreise an. Hinter ihnen ein drohendes Gewitter und vor ihnen der nächste Schultag ...

 

 

 

 

 

Übrigens ...

Eva und Julia können bereits auf frühere Erfahrungen mit dem Bundeswettwerb „Jugend musiziert“ in der Sparte „Neue Musik“ zurückblicken. Schon 1999 beim Bundeswettbewerb in Köln traten Eva (mit einem Tonband als „Begleiter“) und Julia (in einem zehnköpfigen Ensemble) auf. Sie erhielten damals beide das Prädikat „mit sehr gutem Erfolg teilgenommen“.

 

 

... und außerdem

Der Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ 2002 gestaltete sich sehr erfolgreich für die Schülerinnen und Schüler der Städtischen Musikschule Paderborn. Mit drei Gruppen bzw. Einzelspielerinnen waren sie so zahlreich wie noch nie zum Bundeswettbewerb angereist.

 

Jenny und Ruven Ruppik (Hövelhof) sowie Annegret Hoffmann und Konstanze Kuß (beide Paderborn) erreichten mit ihrem Ensemblespiel für zwei Harfen, Violine und Schlagzeug einen dritten Preis.

 

Neben dem Blockflöten-Trio wurde auch der Pianistin Sandra Urba aus Elsen ein erster Preis zuerkannt und ein hervorragender Erfolg bescheinigt.

 

Tja, vielleicht hat’s allen geholfen, daß Jürgen Boelsen, der Leiter der Städtischen Musikschule, eigens mit nach Erlangen gereist war.